Geheimnisse
Erotische Kurzgeschichte von Marion F.
Wenn es etwas gab, was ich an Stephan nicht mochte, dann war das seine Neugier. Ich hatte ihn auf einer Vernissage kennengelernt; er war auf mich zugekommen, hatte mich angesprochen und in ein nahegelegenes Restaurant eingeladen. Das war seine Art, und bald lernte ich sie zu schätzen. Er war forsch, wußte, was er wollte, und nahm es sich in der Regel auch.
Vielleicht lag das daran, daß er als Journalist für eine große Zeitung arbeitete. Seine Art, über Widerstände hinwegzusehen und auch dort weiterzugehen, wo jeder andere aus Höflichkeit aufgehört hätte, war sicher berufsbedingt. So hatte er es sich bei mir in den Kopf gesetzt, meine intimsten Geheimnisse zu erforschen. Gegen meinen Willen, wohlgemerkt.
Ich habe eine rege Phantasie. Wenn ich mit einem Liebhaber im Bett liege, schließe ich oft die Augen, um mich meinen Träumen hinzugeben. Das macht mich an und meine Partner genießen, wie leicht erregbar ich bin. Doch nie habe ich jemandem verraten, was in meinem Kopf vorgeht. Denn das ist eines meiner kleinen Geheimnisse.
Stephan nun wollte sich damit nicht zufrieden geben. Wenige Tage nachdem wir uns kennenlernten, lagen wir das erste Mal zusammen im Bett. Stephan bedeckte meinen nackten Körper mit Küssen. Langsam arbeitete er sich mit seinem heißen Atem von meinem Hals hinab zu den Brüsten, schmiegte seine feuchten Lippen um meine Brustspitzen, die schnell hart wurden, vergrub seine Zunge in meinem Bauchnabel. Genießerisch schloß ich die Augen und träumte vor mich hin.
Doch er hörte abrupt auf, stemmte seine Hände neben meiner Taille auf das Bett und fragte mich, woran ich gerade dächte. Ich fiel aus allen Wolken. Natürlich dachte ich gar nicht daran, ihm meine geheimen Gedanken anzuvertrauen. Er ließ es erst einmal darauf beruhen. Aber jedesmal, wenn wir zusammen schliefen, und ich mich meinen Phantasien hingab, wiederholte er die Frage.
Vielleicht hätte ich mich wegen seiner aufdringlichen Neugier von ihm getrennt, wenn er nicht gleichzeitig ein wunderbar sanfter und zärtlicher Liebhaber gewesen wäre. Doch so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich in seine Falle tappte.
An einem Sommerabend hatten wir bei ihm zu Hause bei Kerzenlicht und leiser Musik gegessen. Er hatte vom französischen Restaurant gegenüber zwei Menüs kommen lassen, und wir haben uns auf seinem Balkon den Bauch vollgeschlagen, bis wir nicht mehr konnten. Stefan sah mich mit leuchtenden, verliebten Augen an, einem Blick, der mich feucht werden ließ. So liefen wir lachend in sein Schlafzimmer.
Stephan zündete eine Duftkerze an, die den Raum in Vanille und Zimt hüllte. Ich fühlte mich wohl wie lange nicht mehr. Stephan trat hinter mich und zog mir langsam meine Jacke von den Schultern. Darunter trug ich nur eine ärmellose Bluse. Während er sie aufknöpfte, biß er vorsichtig in meinen Nacken. Dann liebkoste er mit den Fingern zärtlich meine Brustspitzen und flüsterte mir ins Ohr, er würde gern etwas Neues mit mir ausprobieren. Wie hätte ich ihm in diesem Augenblick etwas abschlagen können?
Während ich mir meinen Rock und den Slip abstreifte, kramte er aus einer Schublade ein paar Krawatten hervor. Ich sah ihn wohl ziemlich überrascht an, denn er mußte lachen, als er meinen Blick bemerkte. Er warf die Krawatten auf das Eisenbett und zog sich aus. Den Kopf auf die angewinkelten Arme gestützt sah ich ihm von der Matratze aus zu. Ich mochte seinen Körper.
Verschmitzt lächelnd setzte er sich neben mich und fing an, mich zu streicheln. Mit sanftem Druck fuhr seine Rechte über meinen Rücken, den Po und die Schenkel hinab. Als sie wieder hinauf kam, versenkte er sie zwischen meinen Beinen und drückte sie gegen meine Scham. Mir schauderte. In diesem Augenblick gestand er, daß er mich gern fesseln wolle.
Ich hatte es mir bereits gedacht, und doch hatte ich den Gedanken schnell wieder verdrängt. Die Vorstellung, mich nicht frei bewegen zu können, machte mir ein wenig Angst. Schließlich siegte die Neugier und ich stimmte zu. Es ist wichtig, ab und zu neue Erfahrungen zu machen.
So drehte ich mich auf den Rücken und streckte Arme und Beine aus, damit er sie am Eisengestell des Bettes befestigen konnte. Er nahm sie mit sicherem Griff und befestigte sie an den vier Pfosten. Mit gespreizten Armen und Beinen lag ich vor ihm, die Lippen am Eingang meiner Grotte schutzlos seinen Blicken ausgesetzt. Gern hätte ich jetzt meine Hand auf die Scham gelegt, verspielt, scheinbar unbeabsichtigt, doch all dies, was normalerweise zu meinen Grundreflexen gehörte, war mir nun durch die Krawatten, die meine Hände und Füße an das kühle Eisen banden, unmöglich. Mir wurde bewußt, wie ausgeliefert ich ihm war.
Stephan benahm sich nicht anders, als sonst auch. Seine Hände wanderten bald zart, bald heftig über meinen Körper, seine Lippen liebkosten meine Achseln ebenso leidenschaftlich wie den Eingang meiner Höhle und ich merkte, wie ich langsam zu fließen begann. Gern hätte ich ihn mit meinen Händen ein wenig dirigiert, hätte ihn bald abgewehrt, bald in andere Regionen gelenkt, wenn mir eine Berührung zu intensiv, zu forsch wurde. Doch so sehr ich auch an meinen Fesseln zog, sie gaben nicht nach und mir blieb nur, mich stöhnend zu winden. Ich kniff meine Augen zusammen, dachte im nächsten Augenblick daran, wie er dies hasse und rechnete schon damit, er würde mich sofort zurechtweisen. Doch er schien zu sehr in das Liebesspiel vertieft, um meine geschlossenen Lider zu bemerken. Gerade preßte er seinen weit geöffneten Mund gegen die Innenseite meiner Oberschenkel, hauchte mir seinen heißen Atem gegen die Schenkel und brachte mich mit seiner Zunge fast um den Verstand. Seine Hände umschlossen meine Pobacken, kneteten sie und zogen sie so weit auseinander, daß es schmerzte. Mein Atem ging schwer und ich sehnte mich danach, er möge sich endlich meiner Höhle zuwenden.
Statt dessen ließ er von mir ab. Ich öffnete die Augen und sah, wie er sich im Bett aufrichtete und die Arme verschränkte. Ob ich ihm nicht jetzt sagen wolle, woran ich denke, fragte er mich. Entgeistert sah ich ihn an. Meinte er das ernst? Ich wollte nicht, und bat ihn, das Vorspiel zu beenden, um endlich in mich einzudringen. Er gab mir einen langen Kuß auf den Mund und griff nach meinen Brüsten. Zunächst streichelte er sie nur, fuhr sacht mit den Fingerspitzen über ihre sich ihm entgegenreckenden Türmchen, doch nach und nach wurde sein Griff fester und ich begann zu stöhnen. Ich spürte meine Lippen brennen und sehnte mich nach seinem Gemächte. Soweit es die Fesseln erlaubten, bäumte ich mich ihm entgegen. Ich konnte nicht fassen, was er mit mir machte.
Er wiederholte seine Frage. Wieder und wieder warf ich meinen Kopf auf dem weichen Kissen herum. Ich war zu erregt, um zu sprechen. Meine Haare lagen auf meinem Gesicht; wie gern hätte ich sie weggewischt. Er ließ nicht von mir ab, preßte meine Nippel zwischen Daumen und Zeigefinger, rollte sie wie eine Zigarre und zog an ihnen. Vor Lust schrie ich laut auf. Noch nie war ich so heiß auf ihn gewesen. Er hingegen fragte mit sanfter Stimme nach meinen Lieblingsphantasien.
Ich hätte heulen können, ohne zu wissen, ob vor Lust oder Ohnmacht. Wieder schüttelte ich den Kopf. Mein Körper war schweißüberströmt. Ich spürte, wie sich eine zähe Flüssigkeit aus meinem Inneren langsam die Schenkel hinab den Weg bahnte. Stefan gab meine Brüste frei und ich stöhnte widerwillig, hatte ich mich doch gerade auf seinen Rhythmus eingestellt. Seine Hand fuhr zwischen meine Lippen, und er lächelte, als er spürte, wie feucht ich war. Ich zuckte unter seinen Berührungen zusammen, zumal er sich zwar um meine kleine Perle und den Eingang der Höhle kümmerte, sich aber nicht einmal mit der Spitze seines kleinen Fingers hineinbewegte. So gab ich auf.
Keuchend erzählte ich ihm von meinen Träumen und Phantasien. Davon, es in der Öffentlichkeit zu tun; auf einer Party vor den Augen der anwesenden Gäste, die anerkennend meinen Körper begutachteten; oder davon, heimlich durchs Fenster dabei beobachtet zu werden, wie ich es trieb. Ich erzählte von wildfremden Männern, die sich darum rissen, mit mir ins Bett steigen zu dürfen; von Liebesspielen zu dritt oder zu viert. All meine Geheimnisse gab ich preis, stockend zunächst, doch dann redete und redete ich, während mir Tränen über die Wangen liefen und ich Stephans Hand spürte, die zärtlich meinen Körper liebkoste.
Endlich war alles heraus. Ich schwieg, erschöpft und atemlos. Eine große Leere machte sich in mir breit. Stephan sah mich ernst an, und ohne den Blick von meinen zu lassen, begann er die Knoten der Krawatten zu lösen. Wir fielen einander in die Arme und liebten uns bis in den frühen Morgen hinein. Wenn ich von nun an meine Augen schloß, war es ihm egal. Manchmal fragte er, woran ich denke, und ich erzählte es ihm ohne zu zögern.
Manchmal überließ ich mich einfach meinem Gefühl und dachte an gar nichts. Im Gegensatz zu früher brauchte ich die Bilder nicht mehr, um mich auf Touren zu bringen. Etwas war in mir geschehen in jener Nacht. Vielleicht nicht gleich, aber sicher in dem Augenblick, als ich ihn fesselte...